(Pirouet/MVH)
Allein. Was im Prinzip schon alles sagt. Marc Copland, ein großer, schwarzer Flügel, 88 Tasten, drei Pedale. Sonst nichts. Die Analytikercouch für Pianisten. Einer wie Copland hatte damit noch nie ein Problem. Sich zu öffnen, völlig zu entblößen bis tief unter die Haut, die eigene Zerbrechlichkeit und Schwäche zu offenbaren, das gehörte schon immer zu seinen ganz großen Stärken. Hin und wieder konnte er sich dabei freilich hinter einem Bass und einem Schlagzeug verschanzen. Nun liegt seine Seele ungeschützt da. Ein Abenteuer wie ein Sprung aus dem Flugzeug. Da überrascht dieser sensible, grüblerische, introvertierte Schöngeist mit einem Kunstgriff: Als Fallschirm wählt er drei Songs von Joni Mitchell, einer Wesensverwandten mit unverkennbar eigener lyrischer Handschrift. Sie tragen dieses melancholische Glimmen, diese brüchige Schönheit und helfen dem 61-Jährigen, aus seinem schwindelerregenden, manischen Taumel der Finger aufzusteigen und zu lächeln. „Rainy Night House“, „I Don’t Know Where I Stand“ und „Michael From Mountain“, aber auch die anderen Titel sind pianistische Kleinodien. Musik, die so noch nie zu hören war. Von einem, der durch das Klavier spricht.
Reinhard Köchl, Jazz thing 82
Weitere CDs mit Marc Copland:
Marc Copland - Another Place
Marc Copland & Greg Osby - Night Call
Marc Copland - Modinha. New York Trio Recordings Vol. 1
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