Jimi Tenor
July Blue Skies
(Timmion Records/Cargo)
Fast 30 Jahre ist es her, dass der Finne Jimi Tenor als großer Heilsbringer für eine neue Jazzauffassung galt. Dieser Erwartung wollte er nie wirklich gerecht werden, doch diese ist längst von ihm abgefallen. Heute lässt man ihn einfach Musik machen. Das Ergebnis ist ein sehr entspanntes, schönes und abwechslungsreiches Album, das wie ein Soundtrack ohne Film wirkt. Er greift auf viele Retroeffekte zurück, sodass man sich zuweilen an Klassiker von Ennio Morricone oder Peter Thomas, in den vokalen Momenten auch an Isaac Hayes erinnert fühlt. Tenor operiert zumeist mit warmen Sounds, die nur gelegentlich von jähen Störgeräuschen attackiert werden, und angenehm rollenden Midtempo-Grooves. Wah-Wah-Gitarren, analoge Synthesizer, ätherische Flötentöne – alles zusammen ergibt einen ebenso geschmackssicheren wie beseelten Dreamspace, in dem jeder Hörer seinen eigenen Assoziationen freien Lauf lassen kann. Am Ende ist „July Blue Skies“ ein auraler finnischer Spagettiwestern der Extraklasse.